Zum Thema

bhv-Verlag, Kaarst 2000

"Auf Grund des rasanten Preisverfalls bei digitalen Kameras wechseln immer mehr Foto-Fans von den herkömmlichen Apparaten zur neuen Technik. Dies bietet zwar viele neue Möglichkeiten, wirft aber auch einige Schwierigkeiten auf. In diesem leider nur in Schwaz-weiß gedruckten Ratgeber gibt Helmut Neumann eine leicht verständliche Einführung in die Technik und Bedienung der neuen Kameras..."

 

Computer Bild 13/2000 urteilte:  Empfehlenswert

Textbeispiel aus Kapitel 1:

Die digitale Fotografie hat innerhalb der vergangenen Jahre eine rasante Entwicklung durchgemacht. Aus überteuerten Still-Video-Kameras, die Bilder hervorbrachten, welche bestenfalls technikbegeisterte Zeitgenossen faszinierten, und sündhaft teuren Geräten aus dem Profibereich, scheinen inzwischen ganz normale Fotoapparate geworden zu sein. Digitale Kameras sind nun durchaus erschwinglich und auch die damit zu erzielenden Ergebnisse braucht man, auch in Fotografenkreisen, nicht mehr hinter vorgehaltener Hand zu zeigen. So wird es schon bald nur noch Geschmackssache sein, ob man seine Fotos digital oder analog macht, wenn es um die technische Qualität der Ergebnisse geht und die Größe der Bilder im Rahmen bleibt. Was die sofortige Verfügbarkeit der Bilder anbelangt, so hat die digitale Fotografie bereits jetzt unbestritten die Nase vorn.
...
Die Auflösung
Fast das wichtigste Kapitel der digitalen Fotografie ist die Auflösung, landläufig auch als Schärfe eines Bildes bezeichnet. In der guten alten Zeit der analogen Fotografie verstand man darunter die Fähigkeit eines Systems, aus Kamera und Film eine Anzahl dicht nebeneinanderliegender Linien wiederzugeben. Die Auflösung wird hier in Linien pro Millimeter angegeben. Gute Objektive erreichen eine Auflösung von über 400 l/mm. Belichtungsgeräte im professionellen Bereich bringen es bei 6500 dpi auf 127 l/mm, ein Computermonitor löst hingegen nur 2 l/mm auf.
Zwar sind diese Tatsachen nach wie vor richtig, denn auch in der digitalen Fotografie haben wir es mit Objektiven zu tun. Der Begriff Auflösung meint hier jedoch zumeist die Fähigkeit des CCD - Chips, eine bestimmte Anzahl von Bildpunkten wiederzugeben. Hier wird nicht mehr von Linien pro Millimeter, sondern in dpi, lpi oder ppi gesprochen.
Dpi bedeutet dots per inch (1 inch =2,54 cm), was Rasterpunkte pro Zoll bedeutet. ( Die Bezeichnung Inch steht hier für das englische Längenmaß Zoll) Lpi heißt demnach Linien pro Zoll und ppi bedeutet Pixel pro Zoll. Soviel zunächst zur Begriffsverwirrung.
Die Auflösung von CCD - Chips wird entweder mit der Anzahl der Pixel angegeben, die ein Bild enthält, oder es werden Werte für die horizontale und vertikale Auflösung angegeben. Etwa 640 x 480 Pixel. Ein solches Bild würde aus 307.200 Bildpunkten bestehen.
Für die Bildschirmdarstellung ist diese Auflösung ausreichend. Möchten Sie ein solches Bild jedoch ausdrucken, so sieht die Sache schon ganz anders aus. Mit einer Druckerauflösung von 150 dpi würde so ein Bild gerade einmal 5 cm breit ohne Qualitätseinbuße gedruckt werden können.
Zum Vergleich besteht ein Kleinbildnegativ aus etwa 20 Millionen Bildpunkten. Ein digitales Foto müsste sogar noch etliche Pixel mehr enthalten, um genauso scharf zu erscheinen, da im Negativ die Bildpunkte ungleichmäßig verteilt sind, was dem Bildeindruck zugute kommt.
Nun könnten Sie einwenden, dass das Bildbearbeitungsprogramm Ihres Computers eine Vergrößerung der Bilder erlaubt. Dies ist zwar richtig, aber der Informationsgehalt des Bildes nimmt dabei nicht zu. Zwar werden in so einem Fall neue Pixel errechnet, aber was nicht ist, kann in so einem Fall auch nicht werden
Der Industrie ist dies natürlich bekannt und daher ist man bestrebt Bildsensoren mit immer mehr Pixeln herzustellen. So ist man inzwischen im Megapixel Bereich angelangt.
 
Sie haben nichts zu verschenken! Stellen Sie an Ihrer Kamera stets die größte Auflösung ein. Ein Bild mit den Ausmaßen von 320 x 200 Pixeln läßt sich zwar wunderbar auf Ihrer Web-Seite einbauen, einen brauchbaren Ausdruck in Postkartengröße bekommen Sie davon aber bestimmt nicht, dazu sind schon 603 x 898 Pixel nötig. Auch das beste Bildbearbeitungsprogramm kann aus einer Mücke keinen Elefanten machen
Allerdings stößt man hier auch wieder auf Schwierigkeiten. Die CCD Chips sind sehr klein. Ein 1/3" CCD-Chip hat eine Diagonale von 6 mm und ist etwa nur 5x5 mm groß. So sind auch der Verkleinerung der Sensoren Grenzen gesetzt. Denn mit größerer Verkleinerung der Lichtempfangsfläche nimmt z.B. die Lichtempfindlichkeit des Chips ab.
Bevor Sie nun anfangen nachzurechnen: Die Größenbezeichungen der CCD`s , 1/2", 1/3" usw. beziehen sich auf die Diagonale der Chips. Das Maß beträgt aber nicht unbedingt dem oben angesprochenen Zoll. Teilweise geht man hier auf die Frühzeit des Video zurück. Die damals gebräuchlichen 1" Vidicon Röhren hatten ein lichtempfindliches Fenster mit einem Durchmesser von 18 mm. Daher wird häufig, wenn z.B. von 1/3" CCD`s die Rede ist, nicht ein Drittel von 2,5 cm gemeint, sondern der Maßstab ist die Vidicon Röhre. Wenn Sie also an den korrekten Maßangaben interessiert sind lesen Sie die Datenblätter der Kameras sehr genau. Manchmal findet man hier bereits Angaben in Zentimeter.
Wenn wir nun schon bei den Datenblättern von Kameras sind., so ist anzumerken, dass häufig zwischen gesamten und für das Bild tatsächlich verwendeten Pixeln unterschieden wird. Um die Verwirrung nun komplett zu machen, gibt es die physikalische Auflösung, die optische Auflösung, die interpolierte Auflösung und die Bildauflösung.
Aber das ist alles halb so schlimm. Die physikalische Auflösung bezeichnet die Anzahl der Sensorelemente eines Chips. Die optische Auflösung bezieht sich auf die tatsächlich verwendeten Pixel und die Bildauflösung meint die tatsächlich aufgezeichneten Bildpunkte. Kameras mit interpolierter Auflösung fügen den real aufgezeichneten Bildpunkten rechnerisch welche hinzu und erhöhen dadurch die Auflösung.
Als ob das noch nicht genug wäre, gibt es auch noch einen anderen Aspekt, der die Auflösung einer digitalen Aufnahme beeinflusst. Es ist die Anordnung der lichtempfindlichen Sensorelemente auf dem Chip...
 
© Helmut Neumann, 2000